Aufwachen WKO - Schluss mit Einwegplastik!

von Maria Mayrhans

Foto: Pexels

Die Plastikflut belastet unsere Ökosysteme enorm, wen besorgt das nicht? Kein Wunder, mittlerweile gibt es mehr von Menschen gemachte Sachen auf der Welt als Pflanzen und Tiere. Was das für die Klimakrise bedeutet und welche Rolle die WKO dabei spielt, erfährst du hier.

Die Ölkonzerne setzen auf Plastik

99 Prozent des Plastiks auf der Welt stammen aus fossilem Öl oder Gas und werden von wenigen führenden Großkonzernen wie Exxon Mobil, Shell oder BASF produziert. Da sich die Welt allmählich von fossilen Brennstoffen als Energieträger verabschiedet, planen Ölkonzerne einen massiven Ausbau der Plastikproduktion. Der Markt boomt extrem, weil vieles nach dem Motto läuft: „life in plastic, it‘s fantastic“. Bei den derzeit prognostizierten Wachstumsraten wird der Plastikmarkt 13 Prozent des gesamten Kohlenstoffbudgets ausmachen, das wir bis 2050 zur Verfügung haben, wenn wir die 1,5-Grad-Marke nicht überschreiten wollen. Das liegt daran, dass Plastik auf jeder Ebene Emissionen erzeugt: sowohl bei der Gewinnung von Erdgas und Erdöl, als auch beim Transport nach Europa, bei der Plastikproduktion und bei der Behandlung des Müllproblems. Wow, was haben wir da ins Rollen gebracht?

Wie Plastik als Müll das Klima anheizt

Wohin mit dem Plastik, nachdem es seinen Zweck erfüllt hat? Ein großer Teil des Mülls landet in unseren Meeren und stört das Ökosystem, indem unzählige Meereslebewesen daran verenden. Unter anderem führt das zum Aussterben von Plankton, dem wichtigsten Betreiber von Photosynthese, der bis zu 80 % des globalen Sauerstoffs herstellt. Durch die Ausrottung von Plankton erschwert es Plastik dem Planeten, CO2 abzubauen. Als ob das nicht schlimm genug wäre, emittiert Plastik bei der natürlichen Zersetzung selbst Treibhausgase, zum Beispiel Methan, das 28 mal klimaschädlicher als CO2 ist. Je länger das Plastik rumliegt und je mehr Salzwasser in der Umgebung ist, desto mehr Methan wird ausgeschüttet. Wie groß dieser Effekt auf die Klimakrise ist, bleibt bislang unerforscht. Klar ist jedoch, dass es genug andere Wege als den ins Meer gibt, um das Plastik loszuwerden. Österreich verbrennt mehr als die Hälfte des Plastikmülls, wobei das Plastik nicht verschwindet, sondern in gefährliche Treibhausgase und Filterrückstände umgewandelt wird. Um die Plastikkrise klimafreundlich zu bewältigen, muss der Fokus also wo anders liegen.

Ein Strand voller Plastikmüll mit zwei afrikanischen Frauen im Hintergrund.
Die natürliche Zersetzung einer Plastikflasche dauert etwa 450 Jahre. Dabei emittiert Plastik kontinuierlich Treibhausgase, besonders im Meer, da Wasser und Sonneneinstrahlung diese Emmissionen begünstigen.

Foto: Pexels

Es gibt Hoffnung

Das Plastik der Zukunft muss kreislauffähig sein. Um bisherige wirtschaftliche und strategische Herausforderungen zu bewältigen, ist ein innovatives Recyclingsystem gefragt. 2020 stellten Forscher*innen ein äußerst effizientes und kostengünstiges Recyclingverfahren von PET-Plastik vor. Da das Zeug überall rumliegt, gibt es mittlerweile Bakterien, die gelernt haben, Plastik zu essen und diese Eigenschaft machten sich die Forscher*innen zu nutze. Sie veränderten ein Enzym dieser plastikfressenden Bakterien und ermöglichen damit ein sehr schnelles und qualitativ hochwertiges Recycling von PET-Plastik. Im Vergleich zu anderen Recyclingmethoden ist das Verfahren effizient, umweltfreundlich und ein Schnäppchen. Die Kosten für das Enzym betragen nämlich nur vier Prozent der Ausgaben für das notwendige Rohöl, um dieselbe Menge PET-Plastik herzustellen. Das auf diesem Wege recycelte PET ist von fossilem PET qualitativ nicht zu unterscheiden. Deswegen will das Unternehmen Carbios, das mit L‘Oréal, PepsiCo, Nestlé und vielen mehr kooperiert, dieses neue Recycling-Verfahren innerhalb der nächsten fünf Jahre im industriellen Großmaßstab auf den Markt bringen. Um das PET zu recyceln, muss es allerdings erst eingesammelt werden.

Die WKO blockiert

Nur 19 Prozent des österreichischen Plastikmülls werden recyclet. Das ist weit entfernt von den Recyclingzielen der EU, die bis 2025 bei 50 Prozent liegen.[6] Es ist an der Zeit, ein Pfandsystem in Österreich einzuführen für PET, Dosen und Tetrapacks. Die WKO sträubt sich seit Jahren vor einer Plastikpfandeinführung, und das, obwohl sich Politiker*innen wie Umweltministerin Leonore Gewessler dafür aussprechen. Klar, der Wandel wird große Herausforderungen mit sich bringen, doch diese stehen in keinem Verhältnis zu den Klima- und Umweltkatastrophen, welche das Plastik mitverschuldet. Viele Länder wie zum Beispiel Deutschland machen es uns vor, ein Pfandsystem ist also kein Ding der Unmöglichkeit.

Demonstrant*innen mit Megafon und Schild mit Aufschrift: spread love, not plastic.
Um den Einfluss von Plastik auf die Klimakrise zu reduzieren, müssen Politik und WKO ein klimafreundliches Recyclingsystem ankurbeln.

Foto: Fridays For Future Austria/Leonhard Schönstein

Das Plastikproblem ist komplex und Lösungsansätze sind auf vielen Ebenen erforderlich. Neben einem innovativen Recyclingsystem sind auch die Förderungen von Zero-waste-Projekten und abbaubarem Plastik sowie eine starke Drosselung der fossilen Plastikproduktion notwendig. Es braucht zudem ein international bindendes Abkommen, um den Eintrag von Plastikmüll in die Meere zu stoppen. Die Veränderung beginnt in jedem von uns und unsere Kaufentscheidungen sind wichtig. Aber nur indem wir Konsumierenden hier und da auf Plastikverpackungen verzichten, werden wir die Probleme nicht lösen. Große Veränderungen müssen auf politischer Ebene passieren. Die Mehrheit der Österreicher*innen wünscht sich bezüglich der Plastikkrise mehr Regulierung und Verbote. Also bitte liebe Politik, her damit!

Quellen

Klimawandel: Plastik heizt das Klima an ➢ Infografiken und Text (boell.de)

The Plastics Pipeline: A Surge of New Production Is on the Way - Yale E360

https://boell.org/sites/default/files/2019-10/Plastic-and-Climate-Executive-Summary-2019.pdf

Stirbt das Meer, stirbt der Mensch – Seilnacht

S.-J. Royer et al., Production of methane and ethylene from plastic in the environment, PLOS ONE, 2018.

2019-Plastikatlas-Oesterreich.pdf (global2000.at)

V. Tournier et al., An engineered PET depolymerase to break down and recycle plastic bottles, Nature, 2020.

A. Samak et al, Recent advances in biocatalysts engineering for polyethylene terephthalate plastic waste green recycling, Environment International, 2020.

Scientists create mutant enzyme that recycles plastic bottles in hours | Plastics | The Guardian

Chemical bonds hold the world together.

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