Windkraft-Stammtische im Waldviertel: Fakten statt Fake News
Von 2. bis 4. Oktober laden Fridays for Future und Scientists for Future nach Horn, Zwettl und Bärnkop – mit namhaften Wissenschafter:innen und einer Exkursion in den Wald-Windpark Grafenschlag.
29.09.2026, Waldviertel – Kaum ein Thema wird in den Waldviertler Gemeinden derzeit so emotional diskutiert wie die Windkraft. Dabei überlagern oft Falschinformationen die Diskussionen. Fridays for Future Niederösterreich und Scientists for Future Österreich wollen der Diskussion wieder eine faktenbasierte Grundlage geben: Am Wochenende von 2. bis 4. Oktober laden sie zu drei Windkraft-Stammtischen in Horn, Zwettl und Bärnkopf. Dort können alle ihre Fragen stellen und gemeinsam mit Wissenschafter:innen aus Energie, Gesundheit und Wirtschaft diskutieren – unter ihnen die Wissenschafterin des Jahres 2024, Sigrid Stagl. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann am Samstag kostenlos an einer Exkursion in den Wald-Windpark Grafenschlag teilnehmen.
Berechtigte Fragen verdienen ehrliche Antworten
Ein Windpark in der eigenen Gemeinde bringt die Energiewende buchstäblich vor die Haustür. Moderne Windräder mit über 250 Metern Höhe sieht man, während wir lange Zeit gewohntwaren, dass unsere Energieversorgung für uns unsichtbar ist und der Strom einfach aus der Steckdose kommt.
„In manchen Regionen sind Windräder nach wie vor eine relativ neue Technologie. Und Neues bringt Unsicherheiten mit sich – nachvollziehbare Unsicherheiten. Sie verdienen ernsthafte Antworten auf Basis von Fakten“, sagt Max Nutz, Energiesystemforscher an der Universität für Bodenkultur Wien und Mitautor der Faktenbroschüre Windkraft der Scientists for Future. Genau diese Unsicherheiten werden in der Diskussion aber zunehmend instrumentalisiert. „Es gibt Leute, die gezielt Fake News verbeiten - unter anderem aus parteipolitischem Interesse. Die Gesellschaft sollte sich am Thema Windkraft nicht spalten lassen, deshalb ist es wichtig, die Diskussion wieder zu versachlichen und auf Basis von Fakten zu diskutieren” so Karl Bruckner, Lehrer aus Zwettl.
Ein Raum für alle Fragen
Mit den Stammtischen wollen die Organisator:innen dem ein anderes Gesprächsformat entgegensetzen. Niki Brunner aus Allentsteig kennt die Debatte aus ihrer eigenen Gemeinde: „Bei uns gibt es eine Windkraft-Zone, weshalb ein mögliches Projekt in den letzten Monaten intensiv diskutiert wurde. Viele Menschen haben ein starkes Interesse daran, mehr über das Thema Windkraft zu erfahren. Deshalb schaffen wir einen Raum, in dem alle ihre Fragen offen stellen können und diese faktenbasiert besprochen werden – egal, ob man der Windkraft skeptisch oder positiv gegenübersteht.“
Auch Selina Kohl aus Scheideldorf ist beim Themenwochenende dabei: „Ich merke, dass viele Menschen unsicher sind, was eine Windkraft-Zone für ihre Gemeinde bedeutet. Gerade deshalb ist es mir wichtig, dass Informationen transparent vermittelt und faktenbasiert besprochen werden und Diskussionen nicht durch persönliche Meinungen oder unklare Informationen verzerrt werden.“
Drei Abende, drei Schwerpunkte
Jeder Stammtisch hat einen eigenen Themenschwerpunkt, im Mittelpunkt stehen die Fragen des Publikums:
● Horn (Freitag): Energieökonom Johannes Schmidt (BOKU Wien) spricht über „Alles rund um Energie“ – woher unsere Energie kommt, wie viel wir brauchen und wie eine sichere Versorgung in Zukunft aussehen kann.
Um 18 Uhr im S-Treff (Florianigasse 11, 3580)
● Zwettl (Samstag): Umweltmediziner Hanns Moshammer (MedUni Wien) setzt einen Fokus auf das Thema „Windkraft und Gesundheit“.
Um 18 Uhr im Bergwirt Schrammel
● Bärnkopf (Sonntag): Die ökologische Ökonomin Sigrid Stagl (WU Wien) beleuchtet die Windkraft im Kontext lokaler Wertschöpfung.
Um 16 Uhr im Pfarrsaal
Selbst ein Bild machen: Exkursion in den Wald-Windpark Grafenschlag
Besonders viele Fragen gibt es derzeit zu Windrädern im Wald. Bei einer geführten Exkursion in den Windpark Grafenschlag können sich Interessierte am Samstagvormittag vor Ort selbst ein Bild machen. „Ich war selbst unsicher, ob ein Windrad im Wald eine gute Idee ist“, erzählt Niki Brunner. „In Grafenschlag sieht man aber, dass Windkraft im Wald funktioniert: Zum Glück bleibt der Großteil des Waldes unangetastet und gerodete Flächen werden durch Ausgleichsflächen wieder aufgeforstet. Der Eingriff fällt im Vergleich zu anderen Formen der Energieerzeugung gering aus – naturverträglicher Ausbau ist also möglich. “
Faktenbroschüre als gemeinsame Grundlage
Als Grundlage für die Gespräche dient die neue Broschüre „Der Energiemix der Zukunft und der Beitrag Niederösterreichs – Ein Faktencheck zur Windenergie“ der Scientists for Future. Sie ordnet die Rolle der Windkraft für die Energiewende ein und klärt häufige Mythen auf – von Vögeln und Wald über Infraschall bis zur Frage, was Gemeinden finanziell davon haben. „Viele der Bedenken rund um Windkraft sind wissenschaftlich bereits gut erforscht. Mit der Broschüre und den Stammtischen wollen wir dazu beitragen, dass die Diskussion wieder auf eine sachliche Ebene zurückkommt“, so Max Nutz.